Die Krim ähnelt Bangladesh von 1971

 

Die Krim ähnelt Bangladesh von 1971

Foto: nemiga.info

STIMME RUSSLANDS Einer der ersten Staatschefs, die Russlands Präsident Wladimir Putin nach der Unterzeichnung des Vertrages über den Beitritt der Krim zur Russland angerufen hat, war der indische Premierminister Manmohan Singh. 

Wie es in der offiziellen Mitteilung des indischen Außenamtes heißt, bedankte sich Manmohan Singh bei Putin für die Erläuterung der russischen Haltung zu den jüngsten Ereignissen in der Ukraine und „unterstrich die Unveränderlichkeit des indischen Standpunktes in Fragen Einheit und territoriale Integrität von Ländern“.

Indessen lehren die vor relativ nah zurückliegenden Ereignisse in der Geschichte Indiens, dass die territoriale Integrität keine heilige Kuh ist und dass es Situationen gibt, wo die auswärtigen Kräfte sich in den Ablauf der Ereignisse in einem anderen Land einmischen müssen.

Die Behutsamkeit des offiziellen Standpunktes Indiens zur Ukraine-Lage und insbesondere zur Rückkehr der Krim zum Bestand Russlands ist durchaus erklärbar: Erstens hat Indien eigene Gebietsprobleme (vor allen Dingen das Kaschimir-Problem), zweitens soll die Regierung von Manmohan Singh spätestens Ende Mai ihre Vollmachten niederlegen.

Ein zusätzlicher Faktor, der eine gewisse Fernhaltung der indischen Gesellschaft und der offiziellen Behörden von den Ereignissen um die Ukraine erklärt, ist der Sachverhalt, dass heute keine indische Informationsagentur und nur eine einzige große Zeitung, „The Hindu“ ihre Eigenkorrespondenten in Moskau hat (von Kiew ganz zu schweigen). Schließlich sind Informationen, die in indischen Massenmedien gebracht werden nur noch Nachdrücke westlicher Mitteilungen. Das führt zu einer einseitigen Beleuchtung der Ereignisse und auch zu einer einseitigen Wahrnehmung dieser durch die indischen Leser. Daher beziehen die indischen Leser Meldungen, laut denen das Referendum auf der Krim unter den Läufen von Maschinenpistolen und unter einer russischen Besatzung verlaufen sei.

Indessen war Indien vor etwa 40 Jahren nicht so vorsichtig, als die Rede vom Schicksal eines ganzen Volkes war, das in eine fast genau solche Situation geraten war, in welcher heute die Bewohner der Krim und des Südostens der Ukraine sind. Es handelt sich um die Ereignisse von 1971 in Bangladesh (damals Ostpakistan).

Die Ähnlichkeit der Situation ist allein durch die Tatsache bedingt, dass die Staatsgrenzen bei der Teilung des einstigen Britischen Indiens ebenso wie die Verwaltungsgrenzen zwischen den Unionsrepubliken der einstigen UdSSR (die nach 1991 zu Staatsgrenzen wurden) rechtsbedingt und ohne Berücksichtigung der wirtschaftlichen, der geschichtlichen, der kulturellen, der sprachlichen und der sonstigen Verbindungen zwischen den Bevölkerungen der geteilten Teile gezogen wurden.

So wurden in einzelne Staatsgebilde (Pakistan in den Jahren 1947–1971 und die Ukraine) Teile aufgenommen, die geschichtlich miteinander nicht verbunden waren. In beiden Fällen war (und in der Ukraine bleibt auch bis heute) eine exakt ausgeprägte Teilung in Ost und Westen zu spüren. In der Geschichte der beiden Staaten hat es sich so ergeben, dass einer der Teile versucht hat, den anderen Teil mit Gewalt um dessen ethnische, sprachliche und kulturelle Eigenständigkeit zu bringen. Und als sich die Bevölkerung von Ostpakistan dagegen erhoben hat, zögerte die indische Regierung nicht lange und ließ seine Truppen in diesen Teil von Pakistan einmarschieren.

Freilich gibt es auch Unterschiede zwischen der heutigen Situation auf der Krim und den Ereignissen von 1971 in Bangladesh. Zu einer unverhohlenen Gewaltanwendung gegen die Bevölkerung der Krim durch die neuen unlegitimen Machthaber der Ukraine ist es nicht gekommen. Es hat auch keine Aufstockung des russischen Militärkontingents auf der Krim über die zahlenmäßige Stärke hinaus gegeben, die durch den Vertrag über die Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte festgelegt worden war. Es reichten ein Beschluss des russischen Föderationsrates über die Möglichkeit von Militäraktivitäten außerhalb Russlands und der bei dem Referendum deutlich bekundete Wunsch der Krimbevölkerung, in das russische Staatsgebiet zurückzukehren, aus.

Und dennoch sollte man bei der Einschätzung der jetzigen Ereignisse auf der Krim auch ähnlicher Situationen in den anderen Teilen der Welt eingedenk sein. Hätte es keine indische Militärhilfe gegeben, so wäre der nationale Befreiungskampf der Bengalen von Ostpakistan wohl kaum von Erfolg gekrönt worden und auf der Weltkarte würde man vergeblich nach dem unabhängigen Staat Bangladesh suchen müssen.
Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/2014_03_22/Die-Krim-gleicht-Bangladesh-von-1971-2679/

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