“Rassismus gegen Deutsche”: Nichts weiter als ein Instrument der rechten Szene?

Muslimische-Migrantinnen-in-Kreuzberg

Im Zentrum der öffentlichen Debatte steht vor allem die Ausländerfeindlichkeit. Doch vor vier Jahren wurde die so genannte “Deutschenfeindlichkeit” von Ausländern wie Deutschen hitzig diskutiert. Wie ist die Lage heute? Gibt es Ablehnung und worin liegen die Ursachen? FOCUS Online hat Stimmen aus Politik und Forschung gesammelt.

Es war ein Bericht überforderter Lehrer, der von unhaltbaren Verhältnissen an einer Berliner Schule handelte, und somit im Jahr 2010 eine hitzige Debatte über „Deutschenfeindlichkeit” bei Ausländern auslöste. Darin hieß es, dass Schüler mit Migrationshintergrund ihre deutschen Mitschüler als „Kartoffelfresser” und „deutsche Schlampen” beschimpfen würden. Die Lehrer schrieben von diskriminierendem „Machogehabe” – kurzum von einem rassistischen Verhalten von Ausländern gegenüber Deutschen. Spätestens als die damalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU) daraufhin zugab, dass auch sie bereits von Ausländern für ihr Deutschsein heftig beleidigt wurde, war die Debatte um deutschlandfeindliches Verhalten von Ausländern im vollen Gange. Das war vor vier Jahren. Seitdem wird das Thema in der Öffentlichkeit nur noch wenig diskutiert. Wie steht es aktuell um den „Rassismus gegen Deutsche“ im eigenen Land?

Geht es nach dem Kriminologischen Forschungsinstitut in Niedersachsen (KFN), könnte die Zahl der deutschlandfeindlich motivierten Gewalttaten in den letzten Jahren gesunken sein. Wie Institutsleiter Christian Pfeiffer im Gespräch mit FOCUS Online mitteilt, wird die aktuelle Studie zu dieser Problematik derzeit noch ausgewertet. „Die endgültigen Ergebnisse werden in etwa ein bis zwei Monaten vorliegen. Was ich jedoch vorläufig dazu sagen kann, ist, dass es einen deutlichen Rückgang an Gewalttaten gab, was sich vermutlich auch auf das Auftreten deutschlandfeindlicher Gewalt auswirken wird“, so Pfeiffer.

Forschungsergebnisse wurden 2010 überinterpretiert

Auch er war Teil der damaligen Debatte. Denn Mitauslöser für die Diskussion über „Deutschenfeindlichkeit“ war eine Studie des KFN, die sich erstmals mit dieser Problematik wissenschaftlich auseinandergesetzt hat. In der Untersuchung, für die in den Jahren 2007 und 2008 45.000 Jugendliche aus ganz Deutschland befragt wurden, war eines der Ergebnisse, dass es offenbar deutschenfeindliches Verhalten von Migranten in Deutschland gibt. So gaben ein Viertel der ausländischen Jugendlichen an, Deutsche wegen ihrer Herkunft beschimpft zu haben, 5 Prozent der Befragten hätten sogar Gewalt gegen Deutsche angewandt.

KFN-Institutsleiter Pfeiffer ruderte jedoch schon damals schnell zurück. Denn in seinen Augen wurde die Bedeutung dieser Ergebnisse überinterpretiert. Ein weiteres Umfrageergebnis der damaligen Studie ergab nämlich, dass ausländerfeindliche Tendenzen bei ungefähr 40 Prozent der deutschen Jugendlichen vorlagen und somit weitaus stärker verbreitet waren.

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Quelle: http://www.focus.de/politik/deutschland/themenwoche-alltagsrassismus-rassismus-gegen-deutsche_id_3808925.html

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