Importbeschränkungen: Russlands Antwort auf Sanktionen

Importbeschränkungen: Russlands Antwort auf Sanktionen

STIMME RUSSLANDS Um auf die westlichen Sanktionen zu reagieren, begrenzt Russland seine Nahrungsmittelimporte. Auf Anordnung von Wladimir Putin wurden Agrarprodukte aufgelistet, deren Einfuhr nach Russland verboten wird.

Rind- und Schweinefleisch, Käse, Geflügel, Milch, Fisch und Wurst aus der EU, den USA, Australien, Kanada, Norwegen und Japan dürfen nicht mehr nach Russland. Dieses Verbot hat eine Laufzeit von zwölf Monaten. Zunächst waren auch Restriktionen für Babynahrung und Spirituosen geplant, sie kamen aber nicht zustande. Für einige ausländische Lieferanten wurden außerdem Einfuhrquoten beschlossen. Der russische Vizepremier Dmitri Rogosin sagte, Russland habe diese Importrestriktionen nicht gewollt, habe nun aber keine andere Wahl:

„All unsere Gegenmaßnahmen zielen darauf ab, unsere Industrie zu schützen. Russland hat keineswegs vor, das Leben westlicher Unternehmen und der westlichen Zivilisation im Allgemeinen schlechter zu machen. Wir haben kein Interesse dafür und verfolgen nicht dieses Ziel.“

Die Europäische Union macht nach Angaben der EU-Kommission 30 Prozent des russischen Obst- und mehr als 20 Prozent des russischen Gemüseimports aus. Jährlich importiert Russland Nahrungsmittel und weitere Agrarprodukte im Gesamtwert von rund 30 Milliarden US-Dollar. Der Anteil der USA an diesen Lieferungen beträgt nur zwei Prozent.

Die russischen Restriktionen schaden vor allem den europäischen Obst- und Gemüselieferanten wie Belgien und Griechenland. Laut Prognosen drohen ihnen Verluste in Höhe von rund 500 Millionen Dollar. Auch für die Milchimporte aus Polen, Lettland, Estland und Litauen kann das Verbot katastrophale Folgen haben. Ausgerechnet diese Länder haben übrigens Amerikas Absicht, Russland wegen seiner Ukraine-Politik zu bestrafen, besonders eifrig begrüßt. Milch und Gemüse aus der Ukraine wurden zu 50 bis 80 Prozent nach Russland exportiert. Nun kann diese ukrainische Produktionsbranche überhaupt zusammenbrechen.

Politik-Experte Semjon Bagdassarow sagt, wirtschaftliche Restriktionen gegen Russland seien rechtwidrig. Das sei eigentlich ein Deckmantel für politische Attacken:

„Die EU und die USA haben Russland einen Wirtschaftskrieg erklärt. Wir haben nur Gegenmaßnahmen getroffen. Nun beruft sich die EU auf die WTO-Regeln. Moskau hat aber gewarnt, dass die EU-Sanktionen gegen Russland den WTO-Regeln widersprechen. Das heißt, die EU hätte sozusagen bei sich selbst beginnen sollen. Nun ist es zu spät, von der WTO zu sprechen.“

Politik-Experte Pawel Swjatenkow prognostiziert, Russland habe genug Geschäftspartner, um einen Ersatz für die europäischen Nahrungsmittelimporte zu finden:

„Vor allem geht es um die BRICS-Länder sowie um unsere Partner im Rahmen der Zollunion. Russland sollte aber nicht nur andere Lieferanten suchen, sondern seine eigene Produktion ankurbeln. In diesem Sime bieten die Sanktionen russischen Unternehmen eine gute Chance. Es ist ja eine Schande, dass wir so viele Nahrungsmittel importieren. Das untergräbt unsere Nahrungsmittelsicherheit.“

Russische Supermarktketten verhandeln schon mit Südafrika, Argentinien, Brasilien, Chile, China und weiteren asiatischen Ländern über einen Ersatz für europäisches und US-amerikanisches Fleisch, Obst und Gemüse. Der weißrussische Vizeagrarminister Leonid Marinitsch sagte sogar, Russland sei für Weißrussland nun eine Art Klondike. Die Weißrussen sind bereit, die meisten polnischen und baltischen Nahrungsmittellieferanten abzulösen. Ähnliche Ankündigungen kamen aus Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Ägypten, Israel und der Türkei.

Experten gehen unterdessen davon aus, dass Moskau bereit wäre, auch auf weitere antirussische Sanktionen zu reagieren, falls sie beschlossen werden.
Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/2014_08_07/Importbeschrankungen-Russlands-Antwort-auf-Sanktionen-5668/

 

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