Dieser Artikel wird Sie beleidigen. Und das ist auch gut so.

Eine Polemik von Roswitha Müller-Schenkenbrink, Chefredakteurin Psychologie aktuell.

 

Als meine Kinder einen Negerkuss nach dem Zigeunerschnitzel wollten, dann bekamen sie diesen – auch wenn er aus purem Zucker bestand. Galt es dann zu zahlen, rief ich nach dem Fräulein, dass mir artig die Rechnung brachte.

 

Daheim sorgte meine Putzperle für Ordnung, das Kind unserer Nachbarn war leicht zurückgeblieben und der Herr in der Wohnung nebendran war ein etwas wunderlicher Grieche, sehr nett, der Herr, aber eben wunderlich.

Heute würde ich für diese Wortwahl gesteinigt weden. Und zwar nicht von irgendwelchen religiös Andersartigen, sondern von den Dauerbesorgten um die Menschlichkeit.

Aber was wäre besser, wenn meine Kinder nach dem Verspeisen eines_r Tofubratling_In nach Art der fahrenden Völker_Innen eine/n Stevia-Schaumkuss_In verdrücken, die Restaurantfachangestellt_Innen die Rechnung_Innen bringt, meine Raumpfleger_In eine sozial erniedrigende Arbeit_In verrichtet und meine Nachbarn ein geschlechtlich nicht benannte/r Deutsch_in mit Migrationshintergrund_In und ein Kind mit besonderen Begabungen sind?

Ja um Himmels Willen, sind wir denn alle total verrückt geworden?

Ich bin jetzt 73 Jahre alt und Chefredakteurin eines aufgeklärten, weltoffenen, ja ich würde sogar sagen radikalliberalen Verlages. Aber so lange ich hier etwas zu sagen habe, wird im generischen Maskulinum geschrieben und eine künstliche „politisch korrekte“ Sprache kommt mir nicht über den Tisch.

Behinderte sind nicht „besonders begabt“, sie sind gehandicapped. So wie ich selbst mit einem GdB von 30 aufgrund eines Hüftleidens. Das ist normal im Alter. Ja, ich bin eine behinderte alte Dame, bin eine gläubige Christin und habe eine Lesbe als Tochter sowie einen tapferen Sohn, der als Berufssoldat unser Vaterland mit der Waffe verteidigt. Und mein Mann ist ein Krüppel, ja, wirklich, er hinkt seit einem Unfall wie ein Schiff bei üblem Seegang.

Stellen Sie sich das mal vor. Und ich leite diese Redaktion, die mit Stolz zu den weltoffensten Truppen (ja, ich habe wirklich „Truppen“ geschrieben) gehört, die sie im psychologischen Journalismus finden.

Lasst uns wieder wie Erwachsene miteinander sprechen!

Na, Haben Sie mitgezählt, wie viele „böse“ Worte die neue Gesinnungspolizei bislang zählen könnte? Wem um Himmels Willen nützt dieser ganze politische inkorrekte Blödsinn außer notorisch beleidigten Wohlstandsmadames mit zuviel Tagesfreizeit? Wer beim „Schuhe wichsen“ an etwas Perverses denkt und nicht an die Pflege eines Kleidungsstücks, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Und das ist gefährlich. Denn Sprache formt unsere Realität.

Natürlich sollten wir alle darauf achten, jeden zu achten. Jeder Mensch verdient Achtung. Aber ist mein Mann kein Krüppel mehr, nur weil man ihn „orthopädisch einzigartig“ nennt? Die Sprachpanscherei dieser Berufsmoralisten, dieser Mensch_Innen, die anderen auf die Nerven gehen statt etwas Ordentliches zu studieren, sie muss ein Ende haben.

Damit wir wieder Klartext miteinander sprechen können. Mit Respekt, aber immer schön entlang der Tatsachen und nicht ihrer wortverdrehenden Abarten. Denn Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Aber wo Dinge nicht mehr benannt werden können, wo kann dann die Einsicht einsetzen? Denken Sie mal darüber nach.

Und nun ab mit dem Shitstorm, denn wissen Sie was? Es ist mir egal. Ich bin alt und habe keine Karriere mehr vor mir. Was Sie von mir denken ist mir egal. Und das Beste daran ist: Ich habe Recht und weiß die schweigende Mehrheit auf meiner Seite.

Interesse an Psychologie? Besuchen Sie unseren Redaktions-Blog!

gefunden bei: http://www.huffingtonpost.de/roswitha-mueller-schenkenbrink/dieser-artikel-wird-sie-beleidigen-und-das-ist-auch-gut-so_b_8856832.html?ncid=fcbklnkdehpmg00000002

 

Dank an die, welche der deutschen Sprache noch mächtig sind.

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