Mainstream-Nebelkerze: Die Erfindung der russischen Hooligan-Armee

Hooligans beginnen sich in Frankreich bei der EM zu prügeln. Bild: Youtube
Hooligans beginnen sich in Frankreich bei der EM zu prügeln. Bild: Youtube

Auch während der EM müssen die westlichen Leitmedien darauf achten, dass man schlechte Meldungen über Russland entwirft und medienwirksam verbreitet. Seit dem vergangenen Samstag rücken verstärkt die russischen EM-Gäste in den Mittelpunkt der Berichterstattung, wobei sich bei solchen Beiträgen auch Ablenkungsmanöver erblicken lassen.

Von Christian Saarländer

„Russen-Schläger stürmen England-Block“, so betitelte der deutsche Boulevard die Ausschreitungen, die während des EM-Vorrundenspiels das Unentschieden zwischen Russland und England überschatteten. Wenig überraschen, dass die Ausschreitungen zwischen den beiden Hooligan-Blöcken und der Polizei in die Anti-Russland-Agenda des West-Presse passt. Bilder von schlagenden Massen mit der Polizei und gegnerischen Fans hat man viele zu sehen bekommen. So auch dieses Video, wo es selbst im Stadion eskalierte.

Bei solchen Videos drängen sich aber auch Fragen auf: Wieso lässt man die gegnerischen Massen so dicht beeinander? In deutschen Stadien werden Ultras und Hooligans so weit wie möglich voneinander entfernt platziert, wie in Deutschland das mit Nord- und Südtribünen der Fall ist. Hat Frankreich nichts aus seinen Fehlern gelernt oder wollte man solche Bilder haben? Fußball-Nationen wie Frankreich, England oder Deutschland kennen das Problem mit den Hooligans seit Jahrzehnten. Englische Fans waren seit Jahrzehnten als besonders aggressiv und brutal in Erscheinung getreten. Auch die Brutalität Deutscher Hooligans wurde während der Weltmeisterschaft in Frnkreich im Jahre 1998 medial verbreitet, nachdem ein Deutscher Hooligan einen französischen Polizisten derart verprügelte, dass dieser bis heute an körperlichen Beschränkungen leidet.

Auch in Russland wird Fußball gespielt und auch dort gibt es Hooligans, keine Frage. Aber in Russland ist der Fußball im Vergleich zu Eishockey oder Boxen eher eine Randerscheinung und der russische Hooligan von heute, so wie er jetzt medial vermittelt wird, den gab es bisher so nicht. Während in Deutschland die Patriotismus-Debatte läuft und das linksliberale politische Spektrum nunmehr auch den Fußball-Patriotismus bekämpfen will, so sieht man beispielsweise die russische Fahne bei den patriotischen Hooligans aus Russland eher selten in der Anti-Russland-Berichterstattung westlicher Leitmedien. Das gibt den Anlass zu zweifeln, ebenso wie die Wortwahl bei Berichten über „Massenabschiebungen“ nach Russland werfen Fragen auf.

Warum? Wir erinnern uns über die Bilder der Gewalt in Marseille vor. Während und nach dem Spiel. Marseille ist eine französische Küstenstadt, in der täglich Flüchtlinge aus Afrika über das Mittelmeer das europäische Festland betreten. Zudem sieht man bei vielen Hooligans-Videos zwischen russischen und englischen Schlägerbanden auf beiden Seiten viele afrikanischstämmige Menschen, an deren Kleidung man die Zugehörigkeit nicht erkennen kann. Insoweit kann man hinterfragen, ob es auch zu Gewaltakten von rechten Schlägern aus ganz Europa auch Flüchtlinge im Visier hatte, die man gerne wieder aus Frankreich weg haben möchte.

Stichwort Kleidung: Natürlich versuchen Hooligans nicht an der Kleidung erkannt zu werden und versuchen möglichst unauffällig in ein Land zu kommen. Diese Taktik verfolgen Hooligans aus allen Ländern. Ebensowenig erkennt von außen bei einem Flüchtling auch nicht, ob er Schutzsuchender oder in Wahrheit ein potentieller Terrorist ist. Aktuell kursierende Videos beantworten diese Frage nicht. Und nächtliche Videos lassen auch nicht erkennen, ob es sich bei den rivalisierenden Gruppen um Hooligans oder um verfeindete politische Lager handelt, die sich erbitterte Straßenkämpfe mit der Polizei liefern. Wie politisch die harmlosen englischen Fans sind, kann man auf dieser Videosequenz sehen. Selbstverständlich werden die westlichen Leitmedien eher davon absehen, solche Vorgänge in Frankreich in der medialen Berichterstattung aufzugreifen. Nicht weiter erstaunlich.

Erstaunlich schnell war man im westlichen Mediensektor bei der Findung eines russischen Hooligans, der die Engländer als „Mädchen“ bezeichnete und als Familienvater am Wochenende den Kick bei Fußball-Schlägereien sucht. Das alles erinnert an das „Putin-Troll-Märchen“, welches die westlichen Medien über alle Kanäle verbreiteten. Damals gab sich eine russische Studentin als „Troll-Kriegerin“ Putins zu erkennen, die der französischen Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP) ein Interview über die Zustände einer PR-Firma aus St. Petersburg mitteilte, deren Boss bereits als „Putins Chefkoch“ bekannt war.

Fußball soll eigentlich eine sportliche und gerade keine politische Angelegenheit sein und Sportler aller Nationen sollen auf internationaler Bühne mit sportlicher Fairness auftreten und im Wettkampf stehen. Aber seit es die Grünen gibt, wissen wir ja auch, dass Fußball höchst politisch ist und deswegen Anlass ist auf verschiedenen Feldern der Politik eine Debatte darüber abzuhalten. Wir wissen nun, dass die russischen Fahnen auf den Videos ihre Herkunft eher „verschleiern“, ihre Nationalität durch ihre Brutalität „beweisen“ und man keine offizielle Bestätigung als Beleg für diese Art der Berichterstattung braucht.

Weiters wissen wir auch dank der unverzichtbaren Grünen Politikerin Claudia Roth, dass das tragen von Deutschland-Fahnen auch bei Fußball-Meisterschaften absolut „faschistisch und rechtsradikal“ ist. Ob sie damit auch meint, dass die Deutschen Fans sich ein Beispiel an den russischen Fans nehmen und durch ihr Verhalten auffallen sollen, wird man im Zweifel wohl verneinen müssen. Aber immerhin wissen wir, dass Fußball nun politisch ist und auf medialer Ebene auch in der Anti-Russland-Agenda zu berücksichtigen ist.

Dank an den Autor Christian Saarländer

 

gefunden bei: https://www.contra-magazin.com/2016/06/mainstream-nebelkerze-die-erfindung-der-russischen-hooligan-armee/

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