Elektroschocker bei der Polizei


Berliner Polizisten versuchen, eine Demonstration zu kontrollieren |
 Foto: Grey Hutton

Frank Henkel möchte Spannung in den Berliner Wahlkampf bringen—50.000 Volt, um genau zu sein. Die jagen die neuen Elektroschockgeräte, mit denen der Innensenator und CDU-Spitzenkandidat die Hauptstadt-Polizei jetzt ausstatten möchte, ihren Opfern fünf Sekunden lang durch den Körper.

Wenn du das abbekommst, verkrampfen sich deine Muskeln so heftig, dass jede Bewegung unmöglich wird und du praktisch einfach der Länge nach auf den Boden knallst. Und natürlich tut das ganz schön weh.

Trotzdem ist es weniger schmerzhaft, als angeschossen zu werden, argumentiert die CDU. Und deshalb ein nützliches Mittel für Polizisten, um eventuelle Störenfriede ruhig zu stellen, ohne gleich mit der scharfen Waffe herumzufuchteln. Dabei kommt es nämlich auch in Deutschland immer mal wieder zu Schüssen, die tödlich enden—zum Beispiel, als Berliner Polizisten 2013 einen nackten Schizophrenen in einem Brunnen erschießen, weil er mit einem Messer in der Hand auf sie zugelaufen war. Hätten sie Elektroschocker gehabt, wäre der Mann womöglich noch am Leben.

Seine Kollegen aus den anderen Parteien werfen Henkel trotzdem vor, das Thema nur aus Wahlkampfgründen wieder aus dem Aktenschrank gekramt zu haben. Auch wenn sie damit wahrscheinlich Recht haben: Der Berliner Innensenator zieht das jetzt durch. In der nächsten Zeit sollen Polizisten in zwei Abschnitten—am Alexanderplatz und in Kreuzberg—mit den Geräten ausgerüstet werden, um sie ausgiebig „im täglichen Einsatz“ zu testen.

Die Geräte sind aber absolut nicht unumstritten. Amnesty International zum Beispiel berichtet immer wieder von Hunderten Todesfällen in den USA, die mittlerweile auf das Konto der „Taser“ gingen. Vor allem gesundheitlich angeschlagene, aber auch betrunkene Menschen laufen offenbar Gefahr, durch die Elektroschocks an Herzstillstand zu sterben.

„Liebe Zivilgesellschaft, eure Kinder könnten sterben, wenn ohne Anlass auf irgendeiner Demo Taser gegen sie zum Einsatz kommen“, schreibt ein Kritiker deshalb auf Twitter. Selbst wenn man die Lebensgefahr für nicht ganz so groß hält, die von Polizei-Elektroschockern ausgeht—auf Demonstrationen könnten sie trotzdem einigen Schaden anrichten. Die Vorstellung, dass Berliner Polizisten bei Demos zukünftig einfach alles platttasern können, was ihnen gerade im Weg herumsteht (oder vor ihnen wegläuft), dürfte viele in der Stadt mit Unbehagen erfüllen. Wäre es dann auch möglich, dass zukünftig zum Beispiel Sitzblockaden aufgelöst werden, indem die Sitzenden einfach einer nach dem anderen in Schockstarre versetzt und dann weggetragen werden?

Wohl eher nicht. „Ich kann das nicht ausschließen“, sagte eine Pressesprecherin der Berliner Polizei auf die Frage, ob Elektroschocker zukünftig auch auf Demos zu sehen sein werden. „Aber erstmal bekommen die ja nur Abschnittsbeamte, und die sind selten auf Versammlungen eingesetzt.“ Bei Demonstrationen werden meistens Einsatzhundertschaften eingesetzt, und für die sei das Gerät als Einsatzmittel „derzeit“ nicht vorgesehen. Auch in Zukunft wird man auf Demonstrationen in Berlin also Pfefferspray, Schlagstöcken und Wasserwerfern begegnen können—Elektroschockern aber erstmal nicht.

Quelle: http://www.vice.com/de/read/was-es-fuer-demonstranten-bedeutet-wenn-die-berliner-polizei-elektroschocker-bekommt

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3 Gedanken zu „Elektroschocker bei der Polizei

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