Kampf gegen Rentenversicherung „Ich will nur noch sterben“

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Ralf Hodermann ist zu krank zum Arbeiten, doch die Ämter wollen keine Rente zahlen. „Ich bin in dieser Gesellschaft überflüssig“, sagt er traurig.

Foto: Sabine Gudath

Hohenschönhausen –

Ein Kerl wie ein Baum, einer der richtig zupacken kann. Das denkt jeder, der Ralf Hodermann zum ersten Mal sieht. Doch der Eindruck täuscht. Der hochgewachsene 53-Jährige hat zwar ein mächtiges Kreuz, doch der Mann ist ein körperliches Wrack.

Nur mit Schmerztabletten übersteht er den Tag. Er kann weder längere Zeit laufen, sitzen oder liegen. Arbeiten geht gar nicht. Doch das sehen Ämter anders. Der schwer kranke Mann kämpft seit vier Jahren vergeblich um eine Erwerbsminderungsrente.

Ralf Hodermann ist gelernter Instandhaltungsmechaniker. Seit 1985 arbeitet er bei den Wasserbetrieben, schon in der DDR. Tausende Kanaldeckel aus schwerem Eisen hat er in 30 Jahren hochgewuchtet. Er musste ran, wenn Abwasserrohre verstopft waren und sie mit einer Spirale freilegen. „Die starken Vibrationen des Motors gingen durch und durch“, erinnert er sich.

Trotzdem liebte er seine Arbeit, ackerte in drei Schichten. Mit 47 begannen plötzlich die Probleme. „Ich spürte meine Füße nicht mehr, alles war taub.“ Ärzte fanden in seinem Wirbelkanal zwei Tumore, die auf die Nerven drückten. Es folgten zwei Operationen, eine Reha.

„Die Schmerzen gingen danach erst richtig los, ich kann nur noch wenige Meter laufen.“ Einige Finger seiner Hände sind ungewöhnlich verkrümmt, noch so eine schleichende Krankheit. Die Schulter ist ebenfalls kaputt, gegen Diabetes nimmt er seit Jahren Medikamente.

Nach der Reha stellte Ralf Hodermann 2013 einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente. „Für ein Wrack wie mich der einzige Weg.“ Danach wurde er von einem Gutachter zum anderen geschickt. „Sie haben meine Befunde gelesen und Berichte geschrieben.“ Nichts passierte. Inzwischen sind die Beine bis zu den Knien taub, kleinste Unebenheiten können zum Sturz führen. Hodermann schafft höchstens 50 Meter am Stück, geht mit einem Stock.

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Ralf Hodermann schafft es nichtmal, den Geschirrspüler einzuräumen. Er kann sich nicht mehr bücken.

Foto: Sabine Gudath

Krankengeld und Arbeitslosengeld sind seit zwei Jahren ausgelaufen, die kleinen Ersparnisse aufgebraucht. Ehefrau Andrea kommt als Gärtnerin mit 1400 Euro nach Hause, die Wohnung in einem Hohenschönhausener Plattenbau kostet 550 Euro Miete. Das Ehepaar hat Wohngeld und Hartz IV beantragt – abgelehnt. Sie liegen knapp über der Einkommensgrenze.

Die Rentenversicherung lehnte den Antrag auf Erwerbsminderungsrente 2014 ab. Sie wird gezahlt, wenn die Leistungsfähigkeit für eine normale Erwerbsfähigkeit nicht mehr ausreicht. Der letzte Gutachter ist der Meinung, der 53-Jährige könne viermal täglich mehr als 500 Meter laufen in jeweils 20 Minuten, bis zu 10 Kilo heben und an einem Computer im Zweifinger-System schreiben.

Aber „keine feinmotorischen Tätigkeiten“. „Ich war immer Kanalarbeiter, Schreibkram kann ich gar nicht“, ärgert sich Hodermann über den Gutachter. Der bescheinigt ihm sogar, er könne mindestens sechs Stunden arbeiten.

Widerspruch legt er mit einem Anwalt vor dem Sozialgericht ein. Doch der Richter hält an dem Gutachten fest, Ralf Hodermann wird nicht vorgeladen. „Ich weiß nicht mehr ein noch aus. Das Geld reicht nicht, wir rutschen ins Minus. Was soll aus uns werden?“

Der große Mann sitzt wie ein Häufchen Elend vor den amtlichen Schreiben, die Aktenordner füllen. Immer wieder liest er den Satz, dass er mehr als sechs Stunden arbeiten soll. Er fühlt ihn wie eine Peitsche, gegen die er machtlos ist. „Ich würde nichts lieber als zurück zu meinen Kollegen gehen“, sagt er traurig.

„Mein Körper ist aber kaputt, es geht nicht mehr.“ Und dann kommt ein Satz ganz tief aus dem Herzen: „Ich möchte nur noch sterben. Doch auch das geht nicht. Meine Frau könnte meine Beerdigung nicht bezahlen.“

 

 

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3 Gedanken zu „Kampf gegen Rentenversicherung „Ich will nur noch sterben“

  1. Ist doch klar zu sehen was hier läuft, Parasiten verdienen und der Malocher leidet- Das ist BRD-Demokratie 2017. Mein Freund hatte Darmkrebs und hat jetzt nen 3 Kilo-Schein inkl- Notwendigkeit eines Aborts in der Nähe_ Berufsunfähigkeitsrente als Dachklempner abgelehnt- also Hartz4- weniger als ein ……. ist ja nur ein autochoner Deutscher. Wieder ein Unentschlossener der mittlerweile die Nasikeule lachend entgegen nimmt- wenn sie so weitermachen wird es einfach :-) Gute Nacht BRD.

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  2. Da bekommt eine VW-Managerin nach 13 Monaten (!!!) Tätigkeit für die Autobude 13 Mio Abfin-
    dung plus monatlich 8000€ Rente – und dann das! Kein Wunder, dass frühere DDR-Bürger Sehn-
    süchte verspüren. Wie sagte einst Biermann: Ich bin vom Regen in die Jauche gekommen (würde
    er heute sicher nicht mehr sagen…).

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