gesicherte Aufbewahrung?

Team Wallraff in der Psychiatrie
(siehe Film auf dem Link)

RTL-Reporter undercover aufgeflogen

22. März 2019 – 11:58 Uhr

Menschenverachtende Zustände hinter geschlossenen Türen

Überfordertes Personal, Patienten, die zur Strafe auf dem Flur schlafen müssen und Medikamente, die ohne Einwilligung verabreicht werden – die Reporter von „Team Wallraff – Reporter undercover“ sind bei ihren Recherchen in deutschen Psychiatrien auf menschenverachtende Zustände gestoßen. Nie zuvor wurde die Redaktion im Vorfeld einer Sendung mit so vielen Abmahnungen und anderen juristischen Androhungen überzogen, um die Ausstrahlung der Reportage zu verhindern – auch weil einer der Undercover-Reporter aufgeflogen ist.

Ein Raum schlimmer als in einem Gefängnis

Seit Jahren nehmen psychische Erkrankungen zu. Sie sind mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen. In Deutschland sind 17,8 Millionen Erwachsene betroffen, also mehr als jeder vierte. Mehr als 800.000 lassen sich jährlich stationär in einer psychiatrischen Klinik behandeln. Grund genug, Betroffenen bestmöglich zu helfen.

Bei ihren Recherchen sind die Reporter von Team Wallraff allerdings auf untragbare Zustände gestoßen. In einer Einrichtung für Jugendlichen und Erwachsene mit psychischen Problemen in der Eifel sollen Bewohner in einen Deeskalationsraum eingesperrt werden – ohne Fenster, ohne Toilette und ohne Notknopf. Ob es ihnen gut geht, kontrollieren die Betreuer nur durch ein Guckloch. Normale Gefängniszellen sind in Deutschland in der Regel besser ausgestattet.

Zweimal haben RTL-Reporter von Team Wallraff in der Einrichtung „Case Project“ in Wanderath in Rheinland-Pfalz verdeckt ermittelt. Beide Male erzählten Bewohner, dass sie in den sogenannten „Time-out-Raum“ gesperrt wurden. Ein junger Erwachsener war hier sogar mehrere Tage – laut der Einrichtungsleitung suchte er „Ruhe“ und habe „diesen Raum zu diesem Zweck auf eigenen Wunsch über mehrere Tage immer wieder genutzt.“ Auch können Bewohner den Raum angeblich zu jeder Zeit verlassen.

Im Video: Reporter erzählt vom Moment des Auffliegens

Ob das der Realität entspricht, bleibt ungeklärt. Denn RTL-Reporter Phillip ist an Tag 4 seines Einsatzes in der Jugendhilfeeinrichtung aufgeflogen, wie er im Video erzählt. Er vermutet, dass Mitarbeiter der Einrichtung seine Sachen durchsucht haben. Kurz darauf waren zwei Polizisten und zwei Anwälte da, sein Hotelzimmer wurde durchsucht – alles, damit nichts an die Öffentlichkeit kommt. Es stellt sich die Frage, was die Einrichtung für Jugendliche und Erwachsene mit psychischen Problemen zu verbergen hat.

Durch einen Zufall konnte Reporter Phillip einen Teil des Materials sichern, bevor es beschlagnahmt wurde. Die mit den Vorwürfen konfrontierte Aufsichtsbehörde erklärt:

„Die von Ihnen behaupteten Vorwürfe wären weder mit den Grundsätzen des Sozialgesetzbuches (…) noch denen des Landesgesetzes über Wohnformen und Teilhabe (…) vereinbar und widersprächen auch den an Einrichtungen für Minderjährige sowie an Wohn- und Betreuungseinrichtungen für Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu stellenden gesetzlichen Anforderungen.“

Die Aufsichtsbehörde hat inzwischen die Einrichtung um Stellungnahme zu den Rechercheergebnissen gebeten.

Team Wallraff bei TVNOW

Folge verpasst? Den ganzen Einsatz von „Team Wallraff – Undercover in Psychiatrien und Jugendhilfe“ gibt’s zum nachträglichen Abruf bei TVNOW.

hessenschau

Nach einem Bericht über angebliche Missstände in der Psychiatrie des Klinikums Höchst hat die Landesregierung Aufklärung angekündigt. Die Zustände in der Frankfurter Anstalt waren wohl schon länger ein Thema.

Missstände in Frankfurt-Höchst? Sozialminister verspricht Aufklärung

Nach einem Bericht über angebliche Missstände in der Psychiatrie des Klinikums Höchst hat die Landesregierung Aufklärung angekündigt. „Wir prüfen die im Beitrag dargestellten Zustände derzeit gründlich und intensiv und stehen dazu in engem Austausch mit der Stadt Frankfurt und dem Klinikum Höchst“, erklärte Sozialminister Kai Klose (Grüne) in Wiesbaden. Kommende Woche werde es ein Gespräch mit der Stadt und der Klinik geben, um die Vorwürfe zu prüfen. Daraus sollten dann mögliche Konsequenzen abgeleitet werden. „Wenn die Vorwürfe sich bestätigen sollten, besteht erheblicher Handlungsbedarf“, erklärte Klose.

Klinik weist Missstände zurück

Das Klinikum Frankfurt-Höchst hat Berichte über Missstände in seiner psychiatrischen Station zurückgewiesen. In einer Stellungnahme heißt es: „Der Umgang mit schwer psychisch kranken Patienten ist oft hoch konflikthaft. Bei nur ausschnittsweiser Betrachtung können leicht erhebliche Zerrbilder entstehen.“

Vorher hatte der Sender RTL in der Sendung „Team Wallraff – Reporter undercover“ angebliche Hygiene-Mängel und die Vernachlässigung psychisch kranker Patienten dokumentiert.

Klinikum verspricht intensive Aufklärung

Für die Reportage hatte eine RTL-Reporterin vergangenes Jahr verdeckt im Klinikum gefilmt. Dabei spricht sie unter anderem mit einer Pflegerin, die den Personalmangel beklagt. Wegen dieser Personalnot seien Patienten tagelang ohne ausreichende Betreuung an ihr Bett gefesselt. Die Reporterin empfindet außerdem viele Räume als dreckig, darunter Patientenzimmer und den Speiseraum.

 

Autor: mengenlehre

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