Sucht auf Rezept: Drastischer Anstieg der Todesopfer durch Medikamentenmissbrauch in Deutschland

Die deutsche Drogen-Studie 2018 zeigt einen alarmierenden Anstieg bei Todesopfern durch sogenannte „psychoaktive Medikamente“. Zu diesen gehören Schmerz-, Beruhigungs- und Schlafmitteln. 2,3 Millionen Menschen sind medikamentenabhängig.

In der Gesellschaft sind Suchterkrankungen längst keine Randerscheinung mehr. Nach Angaben von Prof. Dr. Georg Schomerus von der Uni-Klinik Greifswald sind Menschen aus allen sozialen Schichten davon betroffen. Auch Angehörige, Freunde und Kollegen leiden häufig unter der Sucht ihrer Lieben.

Die in Deutschland am häufigsten behandelte Suchtgruppe bilden die alkoholabhängigen Patienten. Dies geht aus dem Drogen- und Suchtbericht 2018 hervor. Diesen stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), am Mittwoch in Berlin vor.

Demnach starben 2018 an Drogenkonsum 1.276 Menschen, im Jahr zuvor waren es vier Menschen weniger. Häufigste Todesursache war eine Überdosis. Die Anzahl der Todesopfer durch Heroin oder Morphin sank von 707 auf 629.

32 Menschen fielen den verschreibungspflichtigen „psychoaktiven“ Medikamenten zum Opfer, somit auffällige 68 Prozent mehr als im Vorjahr.

Schlaf- und Beruhigungsmitteln (Psychopharmaka), die die Wirkstoffe Benzodiazepine oder Z-Substanzen enthalten, müssen vom Arzt verschrieben werden. In Deutschland unterliegen Benzodiazepine als verschreibungspflichtige Medikamente sogar dem Betäubungsmittelgesetz.

Schlaf- und Beruhigungspillen als Suchtstoffe – mehr als 2,3 Mill. Menschen medikamentenabhängig

Schätzungsweise 2,3 Millionen Erwachsene sind nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit in Deutschland medikamentenabhängig:

Viele Betroffene sind sich ihrer Abhängigkeit selbst nicht bewusst. Solange die Medikamente vom Arzt verschrieben werden, werden sie als Teil einer notwendigen Therapie betrachtet.“

Als Medikamente mit den Wirkstoffen Z-Substanzen in den 1990er-Jahren zugelassen wurden, ging man davon aus, dass der Gebrauch nicht zu einer Abhängigkeit führen würde. Dies wurde inzwischen widerlegt.

Beruhigungs- und Schlafmittel mit Z-Substanzen finden überwiegend bei Angstzuständen, Schlafstörungen und Unruhezuständen Anwendung. Ihre Nebenwirkungen reichen von tagsüber auftretender Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen bis hin zur Muskelschwäche mit erhöhter Sturzgefahr.

Die Wirkung psychoaktiver Stoffe kann zu dauerhaften Veränderungen im Gehirn führen, wodurch Verhaltensänderungen deutlich erschwert werden“, besagt die Studie.

Die meisten Medikamentensüchtigen sind über 65 Jahre alt. Bei der Einnahme von einigen Wochen können die behandelten Symptome sogar wieder verstärkt auftreten. Dazu gehören Angstzustände mit Panikattacken, Schweißausbrüche und Schlafstörungen.

Jährlich suchen mehr als eine halbe Million Süchtige und deren Angehörige die 1.500 Beratungsstellen in Deutschland auf. Die Suchtzentren informieren zum Drogenkonsum von illegalen als auch legalen Substanzen.

Drogenabhängigkeit ist eine Krankheit, Kranke brauchen Hilfe und keine Stigmatisierung. Jeder von uns kann dazu einen Beitrag leisten“, so die Drogenbeauftragte Mortler.

Aus repräsentativen Studien geht nach Information des Bundesministeriums für Gesundheit hervor, dass in Deutschland 12 Millionen Menschen rauchen. Weitere 1,6 Millionen sind Alkoholiker, etwa 600.000 Menschen konsumieren Cannabis und andere illegale Drogen. Rund 500.000 Menschen zeigen „problematisches oder sogar pathologisches Glücksspielverhalten“, 560.000 Menschen sind „onlineabhängig“. (sua)

Quelle : https://www.epochtimes.de/wissen/gesellschaft/sucht-auf-rezept-drastischer-anstieg-der-todesopfer-durch-medikamentenmissbrauch-in-deutschland-a2852407.html

Autor: rsvarshan

Rechtssachverständiger , der gelernt hat seinen Kopf zu benutzen.

Ein Gedanke zu „Sucht auf Rezept: Drastischer Anstieg der Todesopfer durch Medikamentenmissbrauch in Deutschland“

  1. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/34043/Warum-Schizophreniepatienten-rauchen

    Wenn einem das Rauchen, der Alkoholgenuß, das Koksen, Fixen, Kiffen vermiest wird, braucht man sich nicht über die Flucht in die Z-Substanzen zu wundern. Irgendwie muß man doch seine GABA-Rezeptoren bedienen. Wozu sind die denn sonst da ?

    In Frankreich ist Baclofen seit Oktober 2018 durch die Nationale Agentur für die Sicherheit von Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten (ANSM) ferner zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit zugelassen. Vorangegangen war im Jahr 2014 eine vorläufige, auf drei Jahre beschränkte Genehmigung für die ärztliche Verordnung. Eine 2017 durchgeführte Auswertung randomisierter, kontrollierter Studien konnte einen Nutzen in dieser Anwendung nicht bestätigen.
    Der französische Kardiologe Olivier Ameisen veröffentlichte 2009 seinen erfolgreichen Selbstversuch mit Baclofen gegen Entzugserscheinungen bei Alkoholsucht.
    Baclofen kann möglicherweise auch Refluxepisoden, Aufstoßen und pH-metrisch die Phasen von pH-Werten unter 4,0 bei einer Refluxösophagitis (GERD) reduzieren, wie eine Doppelblind-Studie zeigte.
    Die Bedeutung der GABA-Rezeptoren für die Entstehung von Angst wurde in verschiedenen Studien untersucht und in diesem Zusammenhang die Wirkung von Baclofen bei Angst und Depressionen in Tierversuchen nachgewiesen.
    Baclofen wird auch bei persistierendem Schluckauf verabreicht.

    https://www.spektrum.de/lexikon/ernaehrung/gaba/3252

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