Musik und die Menschen

Was das Leben sie kostete

Clara Schumann schaffte es, Hausfrau zu sein und eine geachtete Künstlerin zu bleiben. Zum 200. Geburtstag zeichnen Briefe und eine Ausstellung ein neues Bild von ihr.
Clara Schumann: Clara Schumann, berühmt auch nach Roberts Tod
Clara Schumann, berühmt auch nach Roberts Tod © Unbekannt

„Meine Kunst lasse ich nicht liegen, ich müsste mir ewige Vorwürfe machen“ – die Stadt Leipzig kündigt mit diesem Tagebuchzitat der noch nicht zwanzigjährigen Pianistin und Komponistin Clara Wieck eine neue Briefmarke an. Ob die Verantwortlichen den gesamten Eintrag vom 24. August 1839 gelesen haben? Denn Clara Wieck hatte einen Grund, diesen Vorsatz zu notieren: ihre Befürchtung, nach einer Eheschließung mit dem Komponisten und Musikschriftsteller Robert Schumann nicht länger ihre Kräfte und ihre Zeit auf das Klavierspiel konzentrieren zu können. Vor dem Zitat heißt es nämlich: „Jetzt trachte ich auch darnach, so viel als möglich mit der Künstlerin die Hausfrau zu vereinigen. Das ist eine schwere Aufgabe!“

Clara Wieck war schon eine europäische Berühmtheit, als ihr Schumann ein Jahr vor der Hochzeit zu Weihnachten ein Kochbuch schenkte und auf den Einband schrieb: „Meiner Hausfrau gewidmet R. S.“. Viel gekocht hat Clara Schumann sicher nicht in ihrer Ehe. Für diese Aufgabe wurde eine Hausangestellte engagiert, aber in Zeiten vor der Erfindung von Waschmaschinen und Staubsaugern waren die Anforderungen an eine Hausfrau erdrückend genug.

Geboren in Leipzig am 13. September 1819 war Clara Schumann ab dem fünften Lebensjahr von ihrem Vater, dem Leipziger Instrumentenhändler und Klavierpädagogen Friedrich Wieck, ausgebildet worden. Die Mutter war zwar auch Pianistin und Sängerin, hatte jedoch Wieck verlassen; die Kinder blieben nach damaligem Recht dem Vater. Friedrich Wieck steckte seine ganze Energie in die Ausbildung der Tochter. Wollte er beweisen, dass es auch weibliche Genies gab? Direkte Aussagen gibt es aus Wiecks Feder dazu nicht. Doch immer wenn die Tochter eigenen Willen zeigte, versuchte er sie zu erpressen: schließlich habe sie ihm gegenüber Verpflichtungen.

 

Berühmt wurde der sogar vor Gericht ausgetragene, letztlich vergebliche Kampf des Vaters gegen eine Ehe Claras mit Robert Schumann. Der schwer erkämpfte Sieg hatte einen Preis: Die Ehe musste ein Erfolg werden, messbar in Werken – und in Kindern, so schrieb es Robert Schumann in die Präambel des gemeinsam geführten Ehetagebuchs. „Fleiß, Sparsamkeit und Treue“ lautete der Leitgedanke. Und in der Tat: Fleißig waren beide. Robert komponierte wie im Rausch, er eroberte sich eine Gattung nach der anderen. Clara hingegen musste ihr Klavierspiel stark einschränken. Ihr Mann fühlte sich gestört, wenn sie übte. Das zeigte den unlösbaren Interessenkonflikt: Er brauchte Raum und Zeit, sie auch. (…)

 

Autor: mengenlehre

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