Atomarer Erstschlag als Option? Experten warnen: Die US-Präventivstrategie führt zu einem dritten Weltkrieg

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dpa/Stephen Morton Experten befürchten, dass die US-Präventivstrategie zu einem Dritten Weltkrieg führen könnte

Die USA sind die größte Bedrohung für den Westen. Da ist sich der kanadische Professor Michel Chossudovsky sicher. Er behauptet, dass die Amerikaner einen atomaren Erstschlag gegen Russland in Erwägung ziehen – was zwangsläufig zum dritten Weltkrieg führen müsse. Eine krasse These, für die der Kanadier jedoch Unterstützung von anderen Experten bekommt.

  • Experten warnen vor möglichem Dritten Weltkrieg
  • Nuklearer Erstschlag der USA gegen Russland befürchtet
  • „Die Welt steht an einem sehr gefährlichen Scheideweg“

Es scheint undenkbar: Ein US-amerikanischer Atomangriff auf Russland – mit unvorstellbaren Auswirkungen auf Europa. Doch genau diese Gefahr sieht Michel Chossudovsky, der Direktor des  Zentrums für Globalisierungsforschung in Montreal. Der kanadische Professor warnt eindringlich davor, dass die USA einen Dritten Weltkrieg vom Zaun brechen könnten.

In einem Interview sagte Chossudovsky:  „Die USA haben einen sehr gefährlichen Pfad eingeschlagen, weil sie die Doktrin des Präventivkriegs eingeführt haben – tatsächlich sagen sie auch, dass sie Nuklearwaffen gegen Russland als Präventivschlag einsetzen könnten.“ Diese Art von Diskurs sei „extrem gefährlich, weil sie ein Dritter-Weltkriegs-Szenario entfachen könnte“.

Experte bezeichnet nuklearen Erstschlag als „ernsthafte Option“

In der neuen Konfrontation zwischen Russland und dem Westen, die aus der Ukraine-Krise erwuchs, sieht Chossudovsky die USA als Aggressor – und vermutet dahinter eine breit angelegte Militärstrategie, die weit über die Ukraine hinausgeht:  „Die Nato – und wenn wir Nato sagen, meinen wir auch die Vereinigten Staaten – engagieren sich in Kriegsspielen vor Russlands Türschwelle“, sagte er in einem Interview mit dem iranischen Sender „Press TV“, das auch auf der Internetseite seines Forschungszentrums veröffentlicht wurde.

Eine zentrale Rolle spielt dabei für Chossudorvsky der Umgang mit Atomwaffen. Der Professor aus Kanada ist davon überzeugt, dass ein nuklearer Erstschlag gegen Russland für die US-Regierung eine ernsthafte Option ist.“Jetzt bedrohen sie Russland mit Atomwaffen, und es ist sehr klar, dass die nukleare Option im US-amerikanischen Kongress diskutiert worden ist“, sagt er.

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Es handle sich nicht länger nur um abstrakte Überlegungen, sondern der Einsatz von Atomwaffen sei „von den Entscheidungsträgern im Pentagon ins Auge gefasst“ worden, behauptet Chossudorvsky.

 

„Es könnte den Dritten Weltkrieg geben“

Deshalb warnt der Wissenschaftler eindringlich, dass sich die Welt an einem sehr gefährlichen Scheideweg befinde: Das Undenkbare sei denkbar geworden: „Es könnte den Dritten Weltkrieg auslösen.“

Aus vielen Gründen scheint das von dem Kanadier entworfene Szenario unvorstellbar. Der offensichtlichste sind die verheerenden Auswirkungen auf Europa und die Welt, die die US-Regierung in Kauf zu nehmen bereit sein müsste.

Doch Chossudovsky steht mit seinen Befürchtungen keineswegs alleine da. Immer mehr Experten warnen vor einer realen Kriegsgefahr und thematisieren dabei auch die Rolle von Atomwaffen.

In Washington gebe es Leute, die für einen Atomschlag plädieren

So behauptete der Ökonom und frührere Vize-Finanzminister Paul Craig Roberts im vergangenen Jahr, dass es in Washington Pläne für einen präventiven Nuklearschlag gegen Russland gebe. Und er versichert, dass dort eine Reihe von Leuten, “ für einen Atomkrieg plädieren“: „Wir haben hier Leute, die durch Washington laufen und sagen: ‚Was ist das gute an Nuklearwaffen, wenn wir sie nicht einsetzen?'“, erzählte Roberts damals.

Robert war stellvertretender Finanzminister unter Reagan. In seinen Augen wurde unter der Bush-Regierung die US-amerikanische Kriegsdoktrin so verändert, dass die Rolle von Nuklearwaffen nicht mehr länger nur auf Vergeltungsschläge begrenzt sei.  „Sie wurde auf eine Erstschlags-Position angehoben“, so Roberts.

„Unheimliche Echos der Ereignisse vor dem Ersten Weltkrieg“

Auch Harvard-Politikwissenschaftler Graham Allison warnte in einem Aufsatz für die Fachzeitschrift „National Interest“ gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Dimitri Simes vor einem amerikanisch-russischen Krieg. Allison und Simes hören in der Ukraine-Krise die „unheimlichen Echos der Ereignisse vor einem Jahrhundert, die die Katastrophe namens Erster Weltkrieg hervorgebracht haben“.

Trainieren für den Tag X

Trainieren für den Tag X

Mit Atomwaffen ausrüstbare Nato-Kampfjets trainieren von diesem Montag an bei der Übung „Steadfast Noon“ auf dem Fliegerhorst Büchel. Das Trainingsgebiet reicht bis nach Luxemburg.

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Der militärische Übungsluftraum „Temporary Reserved Airspace (TRA) 205“ östlich von Luxemburg. (Bild: Amt für Flugsicherung der Bundeswehr)

Rund 90 Kilometer von der Luxemburger Grenze entfernt liegt in Büchel in der Eifel ein deutscher Luftwaffenstützpunkt. Neben dem Flugplatz in einem Waldstück gut geschützt und schwer bewacht lagern Atombomben (► Link) für die Kampfflugzeuge auf dem Flughafen. Bis zum 16. Oktober werden Kampfjets aus Deutschland, Polen, Griechenland, Tschechien und den USA den Ablauf und Einsatz mit den umstrittenen Atomwaffen trainieren umd simulieren.

Details will die Nato in ihrem Hauptquartier im belgischen Mons keine nennen. Das griechische Verteidigungsministerium hatte auf seiner Internetseite die Beteiligung von drei griechischen Kampfjets an der Übung „Steadfast Noon“ in Büchel angekündigt.

Trägerflugzeuge

„Steadfast Noon“ werden die jährlichen Übungen von Luftwaffen der Nato-Länder genannt, bei denen üblicherweise der Einsatz von Flugzeugen trainiert wird, die im Kriegsfall mit Atomwaffen bestückt werden könnten. Daran beteiligen sich auch Staaten, die gar keine eigenen Atomwaffen haben, aber entsprechende Trägerflugzeuge für den Einsatz von US-Atomwaffen bereitstellen.

Der Luftraum über dem Flugplatz werde während der Übung zeitweise für die zivile Luftfahrt gesperrt, heißt es von der deutschen Flugsicherung. Auch entlang der Grenze zu Luxemburg wird es in den kommenden Tagen lauter. Der Osten des Landes grenzt an den militärischen Übungsluftraum „Temporary Reserved Airspace (TRA) 205“. Er erstreckt sich über weite Teile von Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Der Luftraum über Luxemburg wird auch benutzt um auf den US-Fliegerhorst Spangdahlem einzuschwenken.

340.000 Tonnen TNT

Unweit von der Fliegerbasis Büchel lagern nach unbestätigten Meldungen bis zu 20 US-Atomwaffen des Typs B61. Es handelt sich dabei um eine taktische Kernwaffe. Eine solche Bombe besitzt je nach Modellreihe eine maximale Sprengkraft von 340.000 Tonnen TNT. Würde eine solche Atombombe Luxemburg-Stadt treffen, würde zwischen Strassen und Findel kein einziges Haus mehr stehen (► Link).

Friedensaktivisten kritisieren die NATO-Übung. Eine Sprecherin der Gruppe Büchel-Atomwaffenfrei sagte gegenüber dem Südwestrundfunk, die Übung sei das größte NATO-Manöver seit zehn Jahren.

Quelle: http://www.tageblatt.lu/nachrichten/story/16679885

Neue russische Raketen sollen US-Raketenschild sinnlos machen

Thema: US-Raketenabwehr rund um Russland

Die Interkontinentalrakete RS-24 „Jars“ auf mobiler Abschussrampe

10:53 16/07/2014
MOSKAU, 16. Juli (Stimme Russlands / RIA Novosti).

Mit der Entwicklung neuer Interkontinentalraketen reagiert Russland einem Zeitungsbericht zufolge auf die Raketenschirm-Pläne des Pentagons sowie auf dessen Global-Strike-Programm, das rasche Präzisionsschläge weltweit ermöglichen soll. Wie ein Experte erläutert, könnten russische Raketen künftig bei Bedarf über den Südpol fliegen und die US-Raketenabwehr dadurch überfordern.

Wie die Wochenzeitung „WPK“ in ihrer neuen Ausgabe schreibt, setzt Russland in seiner Verteidigungsdoktrin nach wie vor auf landgestützte Langstreckenraketen. Mittlerweile gibt es zwei neue Modifikationen der Feststoffrakete Topol mit Mehrfachsprengköpfen. Es geht um die bereits in Dienst gestellte RS-24 Jars sowie um die RS-26 Awangard, die im kommenden Jahr zur Verfügung gestellt werden soll. Der Chef der strategischen Raketentruppen, Sergej Karakajew, sagte, die RS-26 zähle zu den Instrumenten gegen das amerikanische Global-Strike-Konzept.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Juri Borissow bestätigte auch die Entwicklung einer neuen Flüssigstoff-Interkontinentalrakete. Sie ist stationär und hat den vorläufigen Codenamen Sarmat. „Auf Hochtouren laufen die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten an einer schweren Rakete. Dies zielt darauf ab, die Bedrohung im Zusammenhang mit einem Global Strike durch die USA vorwegzunehmen“, so Borissow.

 

Der frühere Chef des militärischen Raketen-Forschungszentrums NII-4, General Wladimir Wassilenko, sagte außerdem mit Blick auf den geplanten US-Raketenschild: „Die militärische Zweckmäßigkeit der Entwicklung einer schweren ballistischen Flüssigstoff-Interkontinentalrakete geht auf die Notwendigkeit zurück, Maßnahmen gegen den Aufbau einer globalen Raketenabwehr zu treffen. Mit anderen Worten geht es darum, vom Aufbau eines Raketenschirms abzubringen. Denn eine schwere stationäre ballistische Interkontinentalrakete ermöglicht nicht nur energetisch optimale Flugbahnen, sondern auch Raketenschläge aus verschiedenen Richtungen, darunter über den Südpol.“

Das Blatt zitierte Wassilenko weiter mit den Worten: „Dass die Raketen aus verschiedenen Kurswinkeln kommen können, zwingt den Gegner zu einer Rundum-Raketenabwehr. Diese ist aber organisatorisch (vor allem finanziell) viel schwerer als ein sektoraler Raketenschirm. Das ist ein sehr starker Faktor. Dank ihres riesigen Nutzlast-Vorrats kann die schwere Interkontinentalrakete außerdem mit verschiedenen Mitteln ausgestattet werden, um den Raketenschild zu überwinden. Letztendlich wird jede Raketenabwehr dadurch überfordert, sowohl in Sachen Datenverarbeitung als auch in Bezug auf ihre Waffen.“

© RIA Novosti. Artem Rozanov

 

Laut Wassilenko könnte die neue schwere Interkontinentalrakete auch mit nichtnuklearen Präzisions-Sprengköpfen ausgerüstet werden: Das wäre eine „ziemlich adäquate Abschreckungs-Antwort“ auf das amerikanische Global-Strike-Programm.

Wie die Zeitung weiter schreibt, hat Russland eigentlich bereits eine schwere effiziente Flüssigstoff-Interkontinentalrakete, obwohl sie nicht für Flüge über den Südpol geeignet ist. Es geht um die R-36M2 Wojewoda, auch RS-20 genannt. Ihre Nato-Bezeichnung lautet Satan. Die Rakete steht den russischen Streitkräften seit 1988 zur Verfügung und soll noch mindestens 20 Jahre in Dienst bleiben.

Sie ist in der Lage, jede gegenwärtige Raketenabwehr zu überwinden. Die Rakete kann selbst dann starten, wenn ihr eigener Standort mit Atomwaffen angegriffen wurde. Sie ist sowohl im Silo als auch während des Fluges vor Strahlung zusätzlich gesichert. Dadurch wird ein garantierter Gegenschlag ermöglicht.